CMI Maristenbrüder

Vom Schüler zum Freiwilligen, in Richtung Zukunft
Losing is part of the game (Volleyballtraining täglich um 16:00 Uhr)

Vom Schüler zum Freiwilligen, in Richtung Zukunft

Seit ich vor zwei Wochen das erste Mal eine Vorlesung an der Universität Regensburgbesucht habe und damit mein gymnasiales Lehramtstudium in Englisch und Biologiebegonnen habe, ist mein Freiwilligendienst mehr und mehr in die Vergangenheit gerückt. Heutzutage bin ich 12 Stunden im Volleyball und sitze in Hörsälen und höre mir British Literary History, Zellbiologie und Latein an, während ich vor knapp fünf Monaten noch am Lehren, Leben und Volleyball spielen in dem Postulat der Maristen an der Marist Boys Secondary School in Mwanza war.

Morgens aufzuwachen, zu trainieren, in die Kirche zu gehen, die Morning Parades im Schulhof zu besuchen und Zeit mit den Brüdern der Kommunität zu verbringen. Ich würde hin und wieder mit Brother Thomas zum Markt gehen,verschiedenste für mich exotische, unvergleichliche Früchte einkaufen, meinen guten Freund und Lehrer Mr. Tobias zu Hause besuchen und mit ihm Gerichte wie „Nyoyo, Chapati und Kilimanjaro Juice“ kochen, mit dem Auto, Bus oder Matatu nach Masonga fahren um mich dort mit einem Bruder und Schulleiter auszutauschen.

Ich würde viel Zeit mit „meiner“ Form One verbringen, zu versuchen ihnen die Maristischen Werte näher zu bringen und sie für dasVolleyballteam zu motivieren. Mit den erwachseneren Schülern der Form Three und Four physisch und akademisch wettzustreiten, und generell sich miteinander freundlich zu messen. Meinen Lehrerkollegen zuzuhören, wenn ich mal wieder didaktischen Mist gebaut habe oder ich anderweitig nicht weiterwusste, wobei sie mich immer in eigentlich jeder Stunde willkommen geheißen haben und mir die Freiheit und Gelegenheit gaben, eigenen Unterricht zu halten.

Ich möchte diese wunderbaren Momente nie vergessen und in meinem Herzen wie einen Schatz hüten. Wenn unser Volleyball Team gewann, wenn mir ein Mitglied eines Dance Clubs neue Tanzschritte beibrachte (für mich als recht ungelenkigen Tanzlegastheniker am Anfang sehr ‚interessant‘), als wir den Geburtstag eines Mitglieds der Kommunität feierten oder auch wenn ich es fertig brachte, am Markt nicht völlig abgezogen zu werden.

Selbst als ich als Teil des Lehrer-Teams gegen eine andere Schule verlor, mich komplett blamierte, sowar dieser Moment doch wichtig und wertvoll für mich danach wieder aufzustehen und weiter, mit einem verbissenen Ehrgeiz ins Training zu gehen und meine Motivation an meine Schüler weiterzugeben. Sich an Niederlagen erinnern, daraus zu lernen und immer wieder aufzustehen, wenn man fällt. Meine letzte Rede an der Marist Boys Secondary School war wohl einer der wunderbarsten aber gleichzeitig traurigsten Momente meines bisherigen Lebens, als ein paar Hundert Schüler mit leuchtenden Augen meinen Worten folgten und wir uns gegenseitig für unsere Zukunft geradezu anfeurten, so möchte ich alles geben in diesem Spiel das sich Leben nennt.

Jetzt, Oktober 2019, sind diese neun Monate vorbei, dieses Kapitel meines Lebens vorüber. Was aber nie vorüber oder verloren gehen wird ist die Erinnerung. Die Erinnerung, Niederbayern, Deutschland, meine Komfortzone zu verlassen. Die Erinnerung, am Mwanza Airport anzukommen, der von einer grünen Gras- und Marschlandschaft umgeben war, dann mit den Brüdern in diese für mich anfangs riesige Stadt zu fahren, wobei das Klima gar nicht so viel anders als das unserer Sommer war. In dieser Stadt, dieser Kommunität, diesem Kontinent, dieser Kultur anzukommen. Wo die Leute sich ein bisschen mehr zurücklehnen und andere Eindrücke und Vorurteile von einem haben, je nachdem, welchen Hautton man hat oder welchem Tribe/Stamm man angehört, wo für mich neue Sprachen gesprochen wurden, von denen ich sogar etwas lernte und wo ich sozial, mental und körperlich gewachsen bin.

Der Ort wo ich viele Freunde, Mentoren und Lehrlinge (natürlich nicht nur im Volleyball) fand, welche mir zahlreiche Dinge für mein Leben beibrachten. Dinge die ich alles in allem als positiv beschreiben würde, so zum Beispiel, seine Komfortzone zu verlassen, eine neue Sprache zu lernen, Arbeitserfahrung zu sammeln und, was mir wohl am wichtigsten erscheint, sich zu orientieren, seinen Lebenskompass einzustellen und dadurch den eigenen Pfad in diesem Leben auf dem Rand zwischen Gut und Böse, Ordnung und Chaos, Mühsamkeit und Leidenschaft, Glück und Trauer zu finden. Ein gesundes Leben in Balance. Sich seiner selbst bewusst zu sein, zu reflektieren, leben und leben lassen und immer neuen Herausforderungen entgegenzueilen.

Ich danke all denen, die mir den Freiwilligendienst nähergebracht haben, mich dafür motiviert und darauf vorbereitet haben und natürlich all denen, die meinem Pfad durchs Leben folgen oder ihn kreuzen, meine eigene Reise, einzigartig, unendlich.

Felix



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