CMI Maristenbrüder

Rückblick auf meine Zeit in Kolumbien

Rückblick auf meine Zeit in Kolumbien

Seit etwa zwei Monaten bin ich nun wieder in Deutschland und konnte mich bereits wieder relativ gut einleben. Am 1. Juni kam ich müde und erschöpft vom Flug, aber auch traurig, dass es nun wirklich vorbei war, am Flughafen in München an. Als ich dann jedoch meine Familie und Freunde bereits aufgeregt auf mich wartend am Ausgang sah, war für den Moment alles wieder verflogen. Doch auch wenn ich natürlich glücklich bin, alle jetzt wieder um mich zu haben, musste ich das im letzten Jahr Erlebte erst einmal verarbeiten. Die letzten Wochen/Monate in Villavicencio vergingen wie im Flug und plötzlich brach meine letzte Arbeitswoche an und ich musste mich damit abfinden, alles, was ich mir in Kolumbien aufgebaut und erlebt habe, jetzt fürs Erste hinter mir lassen zu müssen.

Rückblickend kann ich sagen, dass die Entscheidung, einen Freiwilligendienst in Kolumbien zu machen, die beste Entscheidung war, die ich nach dem Abitur hätte treffen können. Ich habe gelernt, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und habe mich während meiner Zeit selbst weiterentwickelt. Ich durfte so viele tolle neue Leute kennenlernen, weshalb ich bei meinem Abschied eine zweite Familie, die ich jetzt mit meinen Freunden und den Brüdern in Villavicencio habe, verlassen habe, um meine andere Familie in Deutschland wiederzusehen.

Wenn ich mir, wie so oft noch, die Bilder und Videos aus meiner Zeit in Kolumbien anschaue, verfalle ich ins Schwärmen und mir wird bewusst, dass ich mein Leben dort immer noch sehr vermisse. Es sind vor allem auch die kleinen alltäglichen Dinge, an die ich jetzt immer noch so gerne zurückdenke, wie zum Beispiel unsere tägliche Tasse Kaffee in der Mittagspause, unsere Serien-, Filme- und Spieleabende in der Kommunität oder nach einem heißen und anstrengenden Schultag einen leckeren Eisbecher zusammen mit ein paar Freunden zu genießen. Und natürlich die hunderttausend Umarmungen, Kinderlachen und „Maryyy“-Rufe, die ich täglich von meinen Kindern bekam. Ich könnte noch so viel mehr aufzählen, was mir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Natürlich möchte ich am liebsten wieder zurück nach Kolumbien, um alle zu besuchen und wiederzusehen. Doch ich weiß, dass es nicht mehr dasselbe sein wird, wie während meiner Volontärszeit. Ich weiß nicht einmal, ob alle Kinder und Lehrer überhaupt noch in der Schule bzw. überhaupt noch in der Stadt sind, denn in Kolumbien sind häufige Umzüge ganz normal. Vielleicht haben meine Kinder mich inzwischen auch schon wieder vergessen. Doch dann, wenn ich die vielen Briefe und Bilder, die ich zum Abschied bekommen habe, ansehe, denke ich daran zurück, wie unglaublich viel Zeit ich mit ihnen eigentlich verbracht habe und wie viel Spaß wir täglich gemeinsam hatten. Und auch wenn die Kleinen manchmal traurig waren, hat es oft einfach nur geholfen, ihnen zuzuhören oder ihnen eine Umarmung zu geben.

Die meisten Leute fragen mich heute hier in Deutschland: „Und, wie war’s in Kolumbien?“. Tja, gut war’s, ist meistens nur meine Antwort. Wie soll man auch fast 10 Monate in nur einem einzigen Satz zusammenfassen? Wenn mir jemand sagt, ich solle doch mal von meiner Zeit erzählen, könnte ich sofort in einen riesigen Redeschwall verfallen, doch oft ist es einfach schwierig, das Erlebte für einen Außenstehenden in Worte zu fassen. Es sind so viele Eindrücke, die man bekommt, sowohl positive als auch negative.

Kolumbien ist nicht Deutschland. Es gibt dort in vielen Regionen leider immer noch sehr viel Armut, soziale Probleme und Kriminalität. Auch wenn ich im Haus der Brüder alles hatte, was ich brauchte, musste ich als Volontärin mit dieser Konfrontation klarkommen. Wenn mir Kinder oder auch Freunde dann von ihren Situationen zu Hause erzählt haben, ist mir oft bewusst geworden, wie gut wir es eigentlich in Deutschland haben.

Was mich total begeistert hat, war die kolumbianische Gastfreundschaft. Ich habe zuvor schon viel davon gehört, dass das in vielen lateinamerikanischen Ländern großgeschrieben wird, doch dies dann in Realität zu erleben, war nochmal was anderes. Ich komme aus einer komplett anderen Kultur, von einem für die meisten fremden Kontinent, und ich wurde sofort aufgenommen und war willkommen. Ich durfte bei den Brüdern in Porfía, unserem Viertel, wohnen und bereits nach kurzer Zeit haben mich schon Lehrer und auch gleichaltrige Schüler zu sich nach Hause eingeladen. Auch als ich manchmal andere Städte, in denen Maristen waren, besucht habe, war es selbstverständlich, dass ich im Haus der Brüder unterkommen durfte. Ich bin stolz darauf, jetzt ein Teil der weltweiten Maristenfamilie sein zu dürfen. In Porfía war ich recht schnell bekannt, da unsere Schule eine der größten im Viertel ist und es dort außer mir keine anderen Europäer gab. Viele der Einwohner haben Kolumbien noch nie verlassen, obwohl viele wahrscheinlich den Wunsch dazu hätten. Ich habe sogar Schüler kennengelernt, die noch nicht einmal Porfía verlassen oder das Zentrum von Villavicencio besucht haben. Die Kolumbianer haben sich immer sehr für die westliche Kultur interessiert und mir gleichzeitig auch mit viel Freude ihre Traditionen und Bräuche nahegebracht.

Außerdem hat mich meine Arbeit während des Freiwilligendienstes sehr stark bei meiner Studien- und Zukunftsplanung beeinflusst. Ich hatte sehr viel Spaß dabei, täglich im Unterricht mitzuhelfen, und zu versuchen, den Kindern den Stoff so verständlich wie möglich zu erklären. Die Lehrerin, mit der ich in der 1. Klasse gearbeitet habe, hat mir im Laufe der 10 Monate immer mehr Verantwortung übertragen. So habe ich am Ende dann zum Beispiel fast alle Matheeinheiten übernommen. Auch in Englisch habe ich super gerne die Lehrer und Schüler unterstützt. Ich hatte also so viel Spaß daran, zu unterrichten und den Schulalltag mit vielen anderen Aktionen mitzugestalten, dass ich mich jetzt dazu entschlossen habe, ab Oktober Lehramt für Englisch und Spanisch zu studieren.

Am Ende möchte ich sagen, dass ich unglaublich dankbar bin, alle diese Erfahrungen gemacht haben zu dürfen. Danke an die Maristenbrüder, an das Cmi-Team und an alle, die mich bei meinem Dienst unterstützt haben. Ich hoffe, dass der Austausch mit Kolumbien und Villavicencio weiter aufrechterhalten wird und ich selbst auch jetzt nach meiner Rückkehr noch weiter mit den Maristen zusammenarbeiten kann. Auch im nächsten Jahr wird wieder eine Volontärin an die I.E. Champagnat Pinares de Oriente gehen und dort für 9 Monate ihren Freiwilligendienst absolvieren.

Marie

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